...eine unvergessliche Reise

Am 30.09.2019 um 5 Uhr morgens ging es endlich los. Alle Schüler des Jahrgangs A21, die sich für die Studienfahrt nach Krakau entschieden hatten, saßen mit den Lehrerinnen Frau Arnold und Frau Eckert und dem Schulleiter Herr Nazareth fertig zur Abfahrt im Bus. In den folgenden vier Tagen wollten wir den Spuren jüdischen Lebens in Krakau folgen und uns vor allem mit den Umständen und Schicksalen der Menschen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzen.
Knapp 570 km bis nach Breslau, unserem Zwischenstopp, lagen nun vor uns. Gegen Mittag erreichten wir unser vorläufiges Ziel, an dem wir zwei Stunden Zeit hatten, um uns die wunderschöne Stadt anzusehen. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt trafen wir in Oswiciem, Auschwitz, ein. Als letzten Programmpunkt des ersten Tages sahen wir gemeinsam den Film „Schindlers Liste“ an, der uns auf unsere Exkursion in die Gedenkstätte Auschwitz vorbereitete.

 

Eingangstor des Stammlagers (Konzentrationslager Auschwitz)


Am Dienstagmorgen nahmen wir an einer vierstündigen sehr informativen, beeindruckenden und schockierenden Führung durch das Stammlager teil, deren Informationen und Bilder wir bis heute noch nicht vollständig verarbeiten können.
Im Anschluss teilten wir uns in zwei Gruppen für die folgenden anderthalbstündigen Workshops, in denen wir uns mit den jüngsten Opfern, den Kindern im Konzentrationslager beschäftigten. Wir bekamen eine Vielzahl von Texten aus dem Archiv, in denen viele verschiedene Schicksale von Kindern beschrieben wurden. Diese Berichte hinterließen bei vielen einen tiefen Eindruck, da gerade die Schicksale dieser jungen, unschuldigen Menschen unbegreiflich sind. Häufig wurden die Kinder ihren Familien entrissen, waren völlig auf sich allein gestellt und selbst jene wenigen, die die Befreiung erlebt hatten, starben in den Folgewochen, weil ihr Immunsystem einfach viel zu schwach war, um solche Verhältnisse zu überleben. Nach diesem langen und sehr bedrückenden Tag, welcher uns alle zum Nachdenken anregte und uns noch sehr lange, auch heute noch beschäftigt, ging es zurück ins Hotel, um auszuruhen und zu versuchen, die Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten.
Nach einer kurzen Nacht begaben wir uns am Mittwoch in das Vernichtungslager des KZ Auschwitz - Auschwitz Birkenau, dessen Toreingang mit dem Turm und der Eisenbahnschiene – ein Symbol der Grausamkeit - den meisten bekannt war. Auch dieser Besuch begann mit einer vierstündigen Führung und die Fakten, die uns währenddessen erzählt wurden, schockierten uns noch weitaus mehr als jene vom ersten Tag. Die Dimensionen des Lagers waren einfach unglaublich und die Geschehnisse wirkten so abstrakt, als kämen sie aus einem Film. Allein dieses „Außenlager“ besaß vier Gaskammern, welche rund um die Uhr in Betrieb waren. Und die Lebensbedingungen der Inhaftierten waren katastrophal: so mussten in einem Pferdestall, der für 400 Menschen ausgelegt war, bis zu 1000 Menschen hausen.

 

Gedenkstein am Mahnmal

 

Zwischendurch legten wir am deutschen Gedenkstein des Mahnmales Blumen nieder und gedachten der Opfer des Holocaust. Es ist schlichtweg unmöglich, sich vorzustellen, dass dieses Vernichtungslager nochmals um das Doppelte wachsen sollte, oder dass Menschen diese Hölle überleben konnten. Im Anschluss an die Führung besuchten wir wie am Vortag einen sehr aufschlussreichen Workshop, in dem wir uns mit den Tätern, der SS und deren Angehörigen beschäftigten. Dabei stellten wir anhand von Briefen der Kommandanten fest, dass die meisten von ihnen keinerlei Mitleid mit den Häftlingen hatten, viele sogar jede Chance nutzten, um den Häftlingen das Leben noch schwerer zu machen. Generell sind das Museum und das Archiv der Gedenkstätte sehr gut aufgearbeitet und sehr informativ. Wir wären am liebsten noch eine Weile im Archiv geblieben, um noch mehr zu erfahren, aber uns führte die Reise nun nach Krakau. Nachdem wir dort unsere Zimmer im Hotel bezogen hatten, brachen wir in das knapp 45 Minuten entfernte Stadtzentrum auf. Unsere Wege trennten sich dort und wir gingen in den verschiedensten Restaurants essen. Zuletzt hat ein Teil von uns zusammen mit den Lehrern den restlichen Abend in einer Jazz-Bar genossen.


Für den nächsten Tag stand ein Stadtrundgang auf dem Programm. Dabei erfuhren wir einiges über das jüdische Leben und das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau. Wir besuchten eine aktive Synagoge, in der gerade Gläubige beteten. Dies war sehr beeindruckend zu erleben, denn die meisten von uns kannten die Art und Weise des Betens noch nicht. Direkt an der Synagoge befand sich der dazugehörige Friedhof, auf dem die Grabsteine nicht mit Blumen, sondern mit Steinen geschmückt waren – typisch für die jüdische Tradition.

Teil der Ausstellung im Schindler Museum

Als einer der Höhepunkte des Stadtrundgangs besuchten wir noch einen Ort, an dem der Film „Schindlers Liste“ gedreht wurde. Nach einer etwas längeren Pause, welche die meisten für einen Imbiss nutzten, gingen wir zur ehemaligen Schindler-Fabrik, welche zum Museum umgebaut wurde. In dieser erfuhren wir einiges über das jüdische Leben vor und während der Besatzung Polens durch die Deutschen. Einer der besonders beeindruckenden Räume war jener, in dem die Mauer des ehemaligen jüdischen Ghettos nachgebildet war. Hier hatte man sofort ein beklemmendes Gefühl.  Sehr schockierend war auch der Nachbau eines kleinen Kellers, in dem über mehrere Jahre mehr als acht Menschen versteckt leben mussten. Wir versuchten diese Situation nachzustellen, doch wir passten kaum zu fünft in diesen beengenden Raum. Wie die Menschen dies nur überstehen konnten, bleibt unbegreiflich, denn selbst das Atmen fiel uns dort schwer.
Auch dieser Ort hinterließ bei uns tiefe Spuren und Entsetzen und wieder übertraf das Erlebte unsere Vorstellungen bei weitem. Deshalb tat das spätere gemeinsame Essen uns allen gut. Wir trafen wir uns in einem polnischen Restaurant und probierten die einheimische Küche, bestehend aus einer Suppe und gefüllten Teigtaschen, den sogenannten Pierogis. Vielen von uns, die zuerst misstrauisch waren, schmeckten die Spezialitäten dann doch. Obwohl der Tag schon sehr anstrengend für uns alle war, ließen wir natürlich das Versprechen unserer Lehrer nicht verfallen und besuchten gemeinsam eine Karaoke-Bar, in der bis dahin unentdeckte Talente zum Vorschein kamen.
Am Freitagmorgen traten wir dann die Heimreise mit vielen teilweise noch unverdauten Bildern im Kopf, neuen Erkenntnissen über die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch zahlreichen schönen Erlebnissen an. Die Studienfahrt nach Polen werden wir deshalb nicht vergessen.


(Yannick Höffner, Christian Hering und Charlotte Schuldes; 11.11.2019/BC)

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