Elisabeth-Gymnasium

Unser Gymnasium feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Oder sollte man, da der Schulneubau schon 1939 seinem Zweck übergeben wurde, besser vom Namenstag sprechen? Aber nicht nur das Gebäude ist über 80 Jahre alt, sondern auch der Schulname hatte Vorläufer. Bevor man das Haus zum Lazarett umfunktionierte, war es die Hans-Schemm-Schule; gehuldigt hat man damit einem nationalsozialistischen Lehrer und Erzieher. 1947, gut zwei Jahre nach Kriegsende, öffnete hier eine Polytechnische Oberschule ihre Pforten; sie erhielt den Namen Dr. Theodor Neubauer, ein  Pädagoge und Opfer des NS-Regimes, das er bekämpft hat. Nach der schulischen Umstrukturierung in den Wendejahren zog 1991 das „Staatliche Gymnasium Eisenach Nord“ ins Haus ein; auf die neue Namenspatronin Elisabeth einigten sich Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam.

Nomen est omen, heißt es und soll sagen, dass durch den Namen etwas besonders treffend gekennzeichnet wird. In unserem Fall verweist der Name der Thüringer Landgräfin, die dank ihrer Armenfürsorge und Krankenpflege heiliggesprochen wurde, vor allem auf humanistische Werte, auf religiöse und nichtreligiöse Ethik und auf Grundsätze ethisch-moralischen Handelns, die unsere Schule zu ihren Leitbildern erklärte und vermittelt. Wenn aber der Name nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern „Programm“ ist – und genauso sollte es ja sein – erlegt er all jenen, die zur Einrichtung gehören, auch die Verpflichtung auf, diesen Prinzipien nach bestem Wissen und Gewissen zu folgen.

Na schön, werden manche denken, aber Armut und Elend, wie Elisabeth sie einst vor sich sah, gibt es in unserem Land ja gar nicht mehr! Richtig. In den inzwischen acht Jahrhunderten haben Wissenschaft, Technik und Medizin, haben ökonomischer, politischer und sozialer Fortschritt die Welt grundlegend verändert. Da taugen Menschen wie die barmherzige Heilige vielleicht noch als nettes Etikett, jedoch wären sie in unserer Gegenwart fehl am Platz, überflüssig, antiquiert – oder?

Das vor uns stehende Jubiläum „30 Jahre Elisabeth-Gymnasium“ sollte Anlass sein nachzudenken –  über die Tradition von Schulnamen schlechthin, über den Namen, den eure Schule trägt? Haltet Ihr Elisabeth für ein brauchbares Vorbild? Euer Ja oder Nein erklärt bitte! Zu der seltsamen Frau, die als Königskind auf die Welt kam, auf Macht und Reichtum verzichtete und besitzlos starb, ist vieles überliefert worden, vieles bekannt. Aber können wir ihre Motive verstehen? Sehen wir in ihr die kompromisslose Rebellin, die den gesellschaftlichen Normen widersprach? Erkennen wir ihre bemerkenswerten Eigenschaften und glauben wir, dass man von einer Persönlichkeit des 13. Jahrhunderts noch heute etwas lernen zu könnte?  (Frau Krauß)

 

Mit diesem Aufruf freuen wir uns auf eure Beiträge, auf eure "Briefe an Elisabeth": per Email oder auch gern klassisch per Post.

 

Elisabeth-Gymnasium Eisenach, 21. Januar 2021

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